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Winfried Thielmanns Antwort auf die Einwände gegen seine Lehrwerkkritik im FaDaF-Plenarvortrag 2021

 

von Winfried Thielmann


Zunächst vielleicht einmal zu meinem Hintergrund. Ich habe fast zehn Jahre durchgängig in Australien (Canberra) gelebt (1994-2003), wo ich auch mit einer Australierin verheiratet war, und habe in dieser Zeit etliche tausend Stunden Sprachunterricht erteilt:

Ich war Dozent im Deutschprogramm der Australian National University (ANU, Department of Modern European Languages), ich war in der Erwachsenenbildung der ANU (Centre for Continuing Education) sowie in einer privaten Erwachsenenbildungseinrichtung tätig, ich war in der German Language School tätig, die Erwachsene auf Goethe-Prüfungen vorbereitet hat, ich habe Privatunterricht für Jugendliche gegeben und ich war Linguistic Consultant der Sprachabteilung des Australischen Außenministeriums (DFAT- Department of Foreign Affairs and Trade), wo ich Intensivkurse für Diplomaten (häufig Nullanfänger) gegeben und diese bis zur Verhandlungsreife geführt habe.

DFAT benutzt m.W. bis heute ein Examensformat, das ich als Mitglied des Examination Board entworfen habe, und das sich vom Vorgängerformat dadurch unterscheidet, dass es tatsächliches sprachliches Handlungsvermögen in den für Diplomaten einschlägigen Bereichen eruiert. Etliche Diplomaten, die nach dem deutschen Sprachunterricht im Außenministerium noch in Deutschland Sprachkurse besucht haben (das sogenannte in-country-training) berichteten, dass der Unterricht, den meine Kollegin, die Linguistin Gedda Aklif, und ich erteilt haben, in einem Maße zielführender gewesen sei, dass DFAT damals das in-country-training für Deutsch abgeschafft und die Unterrichtszeit in der Sprachabteilung verlängert hat. Da Evaluationen in Australien sehr wichtig sind, habe ich in allen Institutionen, in denen ich tätig war, viele durchführen lassen, stets mit guten bis sehr guten Resultaten.

Als Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Fremdsprachen der TU Chemnitz habe ich in etlichen Deutschkursen verschiedener Ausrichtung hospitiert; etliche Studierende des Masters Interkulturelle Germanistik führen am Sprachenzentrum Hospitationspraktika durch, in denen sie Unterrichtsdaten erheben, transkribieren und diskutieren und zur Grundlage ihrer Masterarbeiten machen – diese Ergebnisse speise ich dann in Fortbildungen im Sprachenzentrum wieder ein.

Schon bevor meine Professur das Erweiterungsfach DaZ im Rahmen des Grundschullehramts eingeworben und implementiert hat (2016), haben meine Mitarbeiterinnen in großem Umfang Unterrichtsdaten erhoben, die ich gut kenne – einiges davon ist auch schon in Publikationen eingegangen. Zudem haben wir von der Professur aus etliche Lehrerfortbildungen durchgeführt, darunter eine zweijährige berufsbegleitende Weiterbildung DaZ im Umfang eines studierten Faches, bei der wir von den Lehrern immer gleich die Rückmeldung bekommen haben, wie sich das, was wir ihnen vermittelten, in der Praxis bewährte. Meine sehr aktiv forschenden Mitarbeiterinnen und ich haben so an der Professur eine, wie ich meine, durch die Wissenschaft wie durch die Praxis informierte sehr schöne DaZ-Expertise aufgebaut, deren Qualität auch dem Sächsischen Kultusministerium nicht verborgen geblieben ist. Was die Integrationskurse betrifft, so sind wir mit etlichen Bildungsträgern im Gespräch und haben es – nicht zuletzt durch einen gemeinsamen Vortrag auf einer Konferenz der Bildungsträger in Dresden 2016, der weithin Wellen geschlagen hat – aktiv mitbefördert, dass anerkannt wurde, dass das B1-Niveau für eine Berufsausbildung nicht ausreichend ist.

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